Kompositionen

Kleines Wort – große Wirkung

Kommunikation ist ein sehr komplexes Thema. Immer wieder kommt es unbewusst und unbeabsichtigt zu Missverständnissen.

Vor allem bei der Aus- und Weiterbildung von Trainer_innen, welche ich seit einigen Jahren durchführe, kommt der Sprache eine besondere Bedeutung zu. Sei es um Feedback zu geben, eine Gruppe klar anzuleiten, eine Aufgabe zu erfüllen oder auch eine Übung zu beschreiben.

Ganz heimtückisch schleichen sich sogenannte Füllwörter ein, deren Auswirkungen man sich gar nicht bewusst ist. Fühlt selbst einmal nach, wie der Satz: „das war ganz gut“ auf euch wirkt.

War es nun gut oder nicht gut? Wurden Erwartungen nicht erfüllt oder doch?

Oder wie geht es euch mit der Aussage: das war nicht schlecht?

Ich frage mittlerweile oft nach, was das bedeutet. Was heißt nicht schlecht? Ist das nun gut oder nicht? Was hätte es gebraucht, damit es gut ist?

Wenn gut ausgedrückt werden sollte, dann sagt es bitte auch dementsprechend.

Und dann gibt es da noch ein klitzekleines Wort, unscheinbar und kurz, welches aber eine sehr große Wirkung haben kann.

Im Laufe meines Berufslebens bin ich immer wieder diesem Wort begegnet und besondere Erfahrungen, Einstellungen und auch Erlebnisse habe ich damit verbunden. Über dessen Wirkung möchte ich hier ein paar Zeilen schreiben um es bewusster einzusetzen oder auch bewusst wegzulassen, so wie Sabine.

Es hat drei Buchstaben: N U R

Jetzt werdet ihr euch vielleicht fragen: nur? Was soll das schon für eine große Wirkung haben?

Nach der Geburt meiner ersten Tochter habe ich mich dazu entschieden von einer Vollzeitbeschäftigung auf eine Teilzeitbeschäftigung umzusteigen. Von da an war ich nur mehr Teilzeitkraft und fühlte mich auch so. Zu Beginn war es besonders gravierend, denn mein Aufgabengebiet sank vom Anspruch extrem. Bis ich mich mutig entschloss, meinem damaligen Chef zu sagen, dass ich zwar Teilzeit bin, aber dadurch kein Teilhirn habe. Das änderte zwar mein Aufgabengebiet, trotzdem fühle ich mich nicht mehr vollwertig zum Beispiel durch den Umstand, dass ich jahrelang keine Fortbildung im Unternehmen besuchen durfte, mit der Begründung ich sei nur Teilzeitkraft.

Und irgendwann habe ich es auch so übernommen und z.B. im Rahmen von Vorstellungen gesagt, dass ich nur Teilzeitkraft sei.

Die Jahre vergingen und dann hatte ich einen Teamleiter, der mir erklärte, dass er meine Arbeitsleistung schätzt und dass dies nichts mit meinen Arbeitsstunden zu tun hat. Von da an wurde mir bewusst, dass ich als gleichwertige Mitarbeiterin mit einer zeitlich begrenzten Erreichbarkeit behandelt werde und damit stieg auch mein Selbstbewusstsein.

Sensibilisiert, was dieses Wort bei mir bewirkt hat, habe ich angefangen auch andere Menschen auf diesen Umstand aufmerksam zu machen, wie auch Sabine, welche ich im September im Rahmen einer Veranstaltung kennenlernte.

Sie war so wie ich sehr zeitig dran. Immer neugierig neue Menschen zu treffen und mit ihnen zu plaudern, ging ich auf sie zu und stellte mich vor. Als sie sich ebenfalls vorstellte sagte sie sinngemäß, dass sie Sabine heißt und bei der Firma …. arbeitet, aber nur als Teilzeitmitarbeiterin. Daraufhin habe ich sie gebeten den Satz nochmals ohne diesem unscheinbaren Wort „nur“ zu sagen. Etwas erstaunt tat sie das. Wir haben daraufhin über dieses Thema ausführlich diskutiert und als ich sie vorige Woche wieder einmal persönlich getroffen habe, hat sie mir bestätigt, dass das Weglassen dieses Wörtchens auch bei ihr eine entscheidende Auswirkung gehabt hat. Vielleicht erzählt sie ja einmal selbst im Rahmen meines Blogs darüber.

Deshalb mein Appell, egal was ihr in einem Unternehmen macht und welche Aufgabe oder Position ihr einnehmt, verzichtet auf das Wort NUR und seid stolz, wenn ihr z.B. Praktikant_in seid.

Und für alle Teilzeitkräfte gilt: mich erreichen Sie Montag, Dienstag und Mittwoch oder jeden Tag außer… oder immer vormittags.

Ich freue mich darüber, etwas bewegt zu haben.

 

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